| Im Staat der Mormonen |
|
|
| Geschrieben von: Simone und Johannes | |
| Montag, 13. Oktober 2008 um 22:00 | |
|
Vom Nationalmonument "Craters of the moon", einer Lavalandschaft, ueber den Salt Lake mit dem von uns nachgewiesenen Salzgehalt und dem Korkeneffekt zu den fantastischen State- und Nationalparks im Staat der Mormonen mit den verruecktesten Sandsteinformationen... Hoehlenforscher im "Craters of the moon" Nationalmonument: Unser erster Stop im Nationalmonument war ein Huegel, den wir auch promt bei sengender Hitze bestiegen, um uns einen Ueberblick ueber das Ausmass der Lavamassen zu machen. Was ich persoenlich beeindruckend finde ist, das in dieser oede wirkenden Landschaft, die sich durch ihre Schwarz- und Rottoene auszeichnet, etwas waechst. Lavaboden ist naemlich sehr fruchtbar. Auf unserem gefahrenen Rundweg lernten wir ausserdem, dass Lava ein guter Isolator ist. In einem Minikrater war tatsaechlich noch Schnee. Das konnte man sich bei dieser Hitze beim besten Willen nicht vorstellen. Das letzte Spannende an diesem Tag war das Erforschen zweier Hoehlen, die wirklich zapfenduster und fuer meinen Geschmack auch ein wenig zu kuehl waren. Nach aussergewoehnlichen Landschaftsbildern reichte es dann auch mit Mondlandschaft. Korkeneffekt auf der Antilopeninsel: Fuer die Weiterfahrt in den Sueden hatten wir uns als naechste Uebernachtung einen State Park in der Naehe von Salt Lake City direkt am Salzsee rausgesucht. Die staatlichen Parks in Utah sind ganz nach unserem Geschmack. Jeder Platz hat eine Tischgruppe, ein Dach und jede Menge Platz zum Nachbarn. Ausserdem hat dieser noch den Salzsee. Die Nacht war so windig, dass wir beide seekrank wurden von dem Geschaukel. Nach geschaetzten 3 Stunden und einer gefuehlten Ewigkeit hoerte der Wind auf und kurz vor Sonnenaufgang befanden wir uns im Tiefschlaf. Am Badeabschnitt des Sees wollten wir den Korkeneffekt an Johannes testen und den Salzgehalt nachweisen. Nach ca. 200 Metern durchs Wasser waten war es huefttief und Johannes versuchte zu Schwimmen mit dem Effekt, dass die Fuesse immer wieder hochploppten. Egal ob auf dem Bauch oder auf dem Ruecken. Ich dokumentierte das Ganze. Danach hingen wir noch ein bisschen am Camper vor einer Duene herum und fuehlten uns wie im Urlaub. Hoert sich komisch an, ist aber so. Red Rock Campground und Bryce Canyon Nationalpark: Nach einer weiteren Tagesfahrt kamen wir kurz vor unserem eigentlichen Ziel im Red Canyon an. Hier erhielten wir einen Vorgeschmack auf das, was uns die naechste Zeit ueber erwarten wuerde. Kurz vor Sonnenuntergang leuchtete der Fels in einem unglaublichen Rot. Der Sandstein ist ausserdem noch durch die Bearbeitung von Wind, Eis und Regen aussergewoehnlich geformt. Die wieder erreichte Hoehenlage fuehrte zu kuehlen Temperaturen in der Nacht und die Dusche am Morgen war nur was fuer Hartgesottene. Nach ein paar laeppischen Meilen kamen wir im Bryce Canyon Nationalpark an. Dort suchten wir einen Platz im Park und liefen die erste kurze Runde, den "Navajo Loop". Bei dieser Tour kommt man ueber ziemlich steile Serpentinen direkt hinunter in das Amphitheater zwischen die haushohen Tuerme, den sogenannten "Hoodoos". Die Hoodoos sind Felsnadeln, die frei in den Himmel ragen. Der absolute Hoehepunkt ist der Abschnitt, der "Wall Street" genannt wird. Links und rechts ragen ewig hohe rostrote Waende auf und dazwischen wachsen riesige Baeume. Einfach unvorstellbar, was die Natur so hervor bringt. Beim darauffolgenden Aufstieg bemerkte man schnell wieder, dass man sich in ungeahnten Hoehen befand. Irgendwie bekommt der (Atmungs-)motor nicht genuegend Luft. Am naechsten Morgen war es Pflicht zum Sonnenaufgang am Sunrise Point zu sein. Wie all die anderen auch. Am Spaetnachmittag machten wir uns noch auf den Weg zum Inspiration Point. Immer an der Abbruchkante entlang. Belohnt wird man dort mit einem grandiosen Blick. Und wenn die Sonne langsam untergeht, bekommen die Tuerme auch Tiefe und werfen Schatten. Das ist ein weiterer Hoehepunkt im Bryce Canyon Nationalpark. Abends sassen wir am Feuer mit einem deutschen Ehepaar, das die komplette Panamericana mit dem Motorrad fahren moechte. Respekt! Am naechsten morgen hielten wir nochmal kurz am Fairyland Point um festzustellen, dass nicht immer die bekanntesten Sehenswuerdigkeiten am sehenswertesten sind. Hier hatte man wieder eine komplett andere Felsformation und dazu noch ganz fuer uns alleine. Komische Stimmung im Capitol Reef NP: Nach 2 Tagen Erholung auf einem Luxus- (Dusche und so...) Campground und einem sehr unterhaltsamen Abend mit 3 Muenchnern und Budweiser landeten wir auf einem Campingplatz neben einer ehemaligen Mormonensiedlung mitten im Capitol Reef NP. In den Obstplantagen nebenan konnten wir die Rehe mit ihren viel zu grossen Ohren beobachten. Irgendwann rafften wir uns auf und schafften es eine kurze Wanderung im Grand Wash zu machen, einem Canyon, der in seiner Mitte eine Engstelle aufweist. Vielleicht waren wir einfach satt von den vielen Eindruecken. Auf jeden Fall war eine komische Stimmung und die rechte Lust wollte sich auch nicht so einstellen. War ja nicht so tragisch, wir sind ja noch eine zeitlang unterwegs. Im Tal der Kobolde: Und immer wieder geht die Sonne auf und ein neuer Tag bringt neue Stimmungen. Die Fahrt in den Goblin Valley State Park war ein Katzensprung (ca.110km). Und da man auch dort fruehzeitig sein muss, kamen wir gerade rechtzeitig, um noch einen Platz zu erhaschen. Wieder einer dieser schoenen staatlichen Parks. Neugierig wie wir waren wollten wir erst mal die Kobolde sehen, brachen die Tour aber wegen der Hitze ab. Erst am spaeten Nachmittag begaben wir uns in das grosse Areal der Steinfiguren. Wir finden zwar eher, dass die Steine aussehen wie Pilze und Kartoffeln, es waere aber wahrscheinlich nicht so beruehmt, wenn es Kartoffel-Pilz-Tal heissen wuerde. Und je mehr wir das Gebiet erkundeten umso mehr Kobolde konnten wir entdecken. Wir kamen immer tiefer in das Labyrinth und ehe wir uns versahen waren wir in einem Gebiet, welches in lauter Sackgassen oder in ungeahnten Hoehen endete. Das Ganze natuerlich in Badelatschen. Nach einem kurzen Anflug von Panik wegen des bevorstehenden Sonnenuntergangs und den darauffolgenden Kletterpartien sind wir den Kobolden gerade nochmal entkommen. Die Goblins hatten uns so in ihren Bann gezogen, dass wir dabei die Zeit vergessen hatten... Dead Horse Point - Der Punkt, an dem der Colorado eine Schlaufe macht: Nach einer Legende trieben hier die Cowboys die Mustangs auf dem schmalen Felsen hoch ueber dem Colorado zusammen und verschlossen hinter den Pferden den Rueckweg mit Bueschen. So hatten sie eine natuerliche Einzaeunung geschaffen. Sie suchten sich die besten Pferde heraus und liessen die restlichen an diesem Platz ohne Wasser zurück, wo sie verdursteten. Wie ich finde eine ziemlich grausame Legende, die fuer die Namensgebung eines solchen wunderschoenen Platzes etwas unpassend ist. Fakt ist, dass man auf einer Hochebene wandelt und am Dead Horse Point auf eine Landschaft schaut, die sich durch einen maeandernden Colorado auszeichnet. Die Schluchten und Treppengebilde sind alle irgendwie ineinander verschachtelt und setzen sich aus verschieden Sandsteinen unterschiedlichen Alters zusammen. Einer der Momente, die einem den Atem rauben. Am naechsten Morgen machten wir noch einen Abstecher in den Canyonlands Nationalpark um den Mesa Arch (einen mächtigen Felsbogen) zu bestaunen. Danach sind wir nach Moab gefahren, um unsere Vorraete nach einer langen Durststrecke wieder aufzufuellen. Es war sowieso viel zu heiss fuer jegliche Mittagsaktivitaeten. Seit Yellowstone hatte keine Wolke mehr die Stimmung trueben koennen. Ausschliesslich tiefstblauer Himmel und Sonnenschein, was zu ungeahnten Gluecksgefuehlen in dieser Jahreszeit fuehrt. Das Herz lacht. Wir koennen einen direkten Zusammenhang zwischen Anzahl der Sonnenstunden und unserem Wohlbefinden feststellen, um die These aufzustellen, dass in Deutschland zu wenig Sonne scheint. Arches Nationalpark - der Park mit den Sandsteinboegen: Nachdem wir in Moab wieder mal fast 2 Tage mit suessem Nichtstun verbracht haben, sind wir am naechsten Morgen noch vor Sonnenaufgang zum Visitor Center gefahren, um die Chancen auf einen Platz auf einem der beliebtesten Campingplaetzen der USA zu erhoehen. Dieser liegt im Norden des Arches Nationalparks. Wir waren die fuenften in der Reihe und das um 7.15 Uhr. Nach uns kam noch genau einer. Die ersten (Deutsche!) warteten bereits seit 5.30 Uhr. Der Visitor Center oeffnete seine Toren, die Flagge wurde gehisst (alle Amis stillgestanden!), es wurde durchgezaehlt - Campground voll um 7.30 Uhr. Wieder mal Schwein gehabt. Nachdem wir uns einen Platz gesucht hatten, gab es erst mal einen Kaffee und was zu futtern. Bei einer kleinen Runde erkundeten wir die Boegen, die in der Naehe liegen. Abends machten wir uns zum Sonnenuntergang mit den anderen Pilgern auf den Weg zum "Delicate Arch". Der Bogen schlechthin im Park. Das besondere an ihm ist, dass er freistehend mitten in einer grandiosen Landschaft ist. Ausserdem hat er aus einem bestimmten Winkel betrachtet, die Berge im Hintergrund im Inneren des Bogens. Wenn dann bei Sonnenuntergang der rote Sandstein das Leuchten anfaengt, geht schon ein besonderer Zauber von ihm aus. In der Nacht wurden wir mal wieder unsanft aus dem Schlaf gerissen, weil aus heiterem Himmel ein Sturm losging, der sich gewaschen hatte. Ich hatte voll den Adrenalinschub und als wir die Schlafpause fuer einen Toilettengang nutzten, sahen wir, dass alle Zeltbesitzer schwer damit beschaeftigt waren ihre Zelte sturmsicher zu bekommen. So schnell er kam, genauso schnell ebbte er auch wieder ab. Am naechsten Morgen starteten wir unsere 12 km Wanderung durch den Devils Garden, vorbei an einigen der bekanntesten Boegen im Park. Auf dem ersten Stueck des Weges bis zum Landscape Arch, der seit 1991 abgesperrt ist da ein paar Brocken aus dem Bogen gefallen sind, waren noch Einige unterwegs. Spaetestens ab dem Double-O-Arch machten sich die meisten wieder auf den Rueckweg. Wir wollten aber den Rundweg machen, der ueber Felsgrate, dazwischen hindurch und durch ausgetrocknete Flussbetten fuehrt. Als Markierungen dieses grandiosen Weges dienen Steinhaufen. Leider hatte an diesem Tag das Wetter umgeschlagen und wir bekamen immer wieder eine kleine Dusche, was aber die Stimmung in keinster Weise trueben konnte. Der Weg war so abwechslungsreich und hat uns so gut gefallen, dass wir total entspannt und gluecklich an unserem Camper ankamen. Ein paar Gewohnheiten, die uns schon auf unserer kompletten USA Reise immer wieder begegnen: Auf dem Campingplatz mit dem Auto zur Toilette fahren Das Auto laufen lassen (manchmal ist weit und breit niemand zu sehen) Beim Zaehne putzen oder rasieren das Wasser laufen lassen Plastiktueten im Supermarkt in grossen Mengen, manchmal zur Sicherheit doppelt Aufgeschaeumte Getraenkebecher (Warum wird man eigentlich gefragt ob "to stay" oder "to go" wenn's das gleiche kostet und man ja doch keine normale Tasse bekommt?) Auf allen Verpackungen steht, dass man sie bitte recyceln soll, aber man bekommt die Sachen nicht los (ausser in Nationalparks und dann meist nur Aluminium und Plastikflaschen) ... |
|
| Aktualisiert ( Samstag, 17. Januar 2009 um 23:22 ) |
![]() | Heute | 29 |
![]() | Gesamt | 40226 |