| Patagonien |
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| Geschrieben von: Johannes und Simone | |
| Samstag, 14. Februar 2009 um 10:39 | |
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Von Chiloé ins andere Argentinien. Durch die Steppe Patagoniens zu den Nationalparks Los Glaciares und Torres del Paine. Abschied von Chiloé und Start des neuen Jahres in La Angostura: Als wir im Bus auf die Faehre warten, die uns aufs Festland bringen soll, ist herrliches Wetter - nicht gerade selbstverstaendlich fuer Chiloé. Umso ueberraschter sind wir kurze Zeit spaeter ueber die riesigen Wellen, die so hoch ueber den Bug der Faehre schiessen, dass selbst unser Bus nicht von ihnen verschont bleibt. Was anfangs noch zur Belustigung der Fahrgaeste beitraegt, sorgt mit zunehmendem Geschaukel fuer betretenes Schweigen. Zum zweiten Mal auf unserer Reise haben wir ein flaues Gefuehl in der Magengegend und sind heilfroh als wir die Faehre nach deutlich laengerer Fahrzeit als geplant verlassen. In Puerto Montt erwartet uns erneut der chaotischste Busbahnhof von ganz Chile. Unseren Plan, heute noch bis Argentinien zu kommen, haben wir aufgegeben. Die Hochsaison hat begonnen und wir sind auf dem Weg zur Touristenroute Patagoniens. Das bedeutet fuer die naechsten drei Wochen die Notwendigkeit einer etwas genaueren Planung und rechtzeitige Reservierung von Bustickets. Auch wenn wir das bis dahin noch nicht wahrhaben wollen. Schade - weniger Spielraum fuer spontane Entscheidungen und mehr Arbeit! Zumindest kommen wir noch raus aus der Stadt und uebernachten im ruhigeren Puerto Varas um am naechsten Tag nach La Angostura zu fahren. Abends finden wir uns bei Pasta in einer Pizzeria wieder, deren Wandanstrich als Paradebeispiel chilenischer Handwerkskunst erwaehnenswert ist und deren Pizzaofen gleichzeitig als Muellverbrennungsanlage dient - zum Glueck haben wir uns nicht fuer Pizza entschieden. Weder Busfahrt, Grenzkontrollen und Schlangestehen noch die Bestechung des Stewards durch einige ticketlose Einheimische bringen uns aus der Ruhe. Und so kommen wir Abends gelassen im optisch einem schweizer Bergdorf gleichenden La Angostura an. Wir schaffen es, zwei Betten im Mehrbettzimmer eines Hostels auch ohne Reservierung zu ergattern - die wohl einzige (fuer uns) bezahlbare Unterkunft der ganzen Stadt. Nach langem Suchen und vielen verschlossenen Tueren finden wir auch noch einen kleinen Lebensmittelladen, in den sich viele Menschen draengen, die sich auch nicht rechtzeitig um ihr Silvesterdinner gekuemmert haben. Die Argentinier feiern lieber im kleinen Kreis der Familie sagt man uns, weshalb La Angostura wie ausgestorben wirkt. Und so richten wir uns auf einen ruhigen Abend zu Zweit ein und kaufen eine Fertigpizza und eine Flasche Wein um aufs neue Jahr anstossen zu koennen. Als wir aber ins Hostel zurueckkommen erwartet uns eine Horde Argentinier in Partylaune, sodass unser "Silvester zu Zweit" in einem ordentlichen Trinkgelage endet... Die ersten Tage des neuen Jahres beginnen erholsam mit Strandbesuch und Erkundung der Gegend. Jahresanfang bedeutet fuer uns gleichzeitig Reisehalbzeit - ein Thema welches wir gerne vermeiden und woran wir nicht erinnert werden moechten! Mit unserem Mehrbettzimmer haben wir Glueck und es gehen nur angenehme Leute ein und aus. Einziger Stoerfaktor sind knisternde Plastiktueten bei spaeter Ankunft. Waehrend eines Abendessens muss ich feststellen, dass es trotz der langen Zeit noch etwas gibt, was die innere Ruhe ins Wanken bringt. Wer schon mal in Gegenwart eines Taiwanesen gegessen hat, der genuesslich saemtliche Speisen von seinem Teller mit einem staubsaugerartigen Geraeusch einzieht und dann noch bei jedem Bissen mit offenem Mund schmatzt, weiss vielleicht wovon ich rede. Nach ein paar Tagen fahren wir weiter bis Esquel. Bariloche lassen wir wegen der Touristenscharen bewusst links liegen. Dort widmen wir einen grossen Teil unserer Zeit der Planung und verteilen die noch wenigen verbleibenden Tage in Suedamerika auf die Orte, die wir gerne noch sehen wuerden. Nationalpark Los Glaciares: Seit unserer Ankunft in Argentinien hat sich einiges veraendert. Neben den Preisen (jeder sagt Chile ist teurer, aber zumindest fuer den Sueden Argentiniens trifft das nicht zu) fallen darunter auch die Busfahrten. Unsere letzte richtig lange Fahrt steht uns bevor: 26 Stunden quer durch Patagonien bis El Calafate. Wir freuen uns auf die Panoramasitze in der ersten Reihe des Oberdecks. Beim Verladen der Rucksaecke faellt uns auf, dass es keine Gepaeckscheine mehr gibt. Der einzige nicht touristische Fahrgast beschwert sich - ohne Erfolg. Von der Freundlichkeit der Busfahrer und Assistenten ist vermutlich angesichts der vielen Backpacker nicht mehr viel uebrig. Nach einer Stunde bereits der erste Stopp - tanken und 15 Minuten Pause. Kurz nach der Weiterfahrt uebergibt sich jemand mitten auf der Treppe. Bis zur Toilette hat's nicht mehr gereicht. Kurzer Halt zum Saubermachen. Eine Stunde spaeter - wir haben uns schon auf Schlafen eingestellt - die naechste Pause an einem "Restaurant" eines Bekannten, der schliesslich auch was an den Touristen verdienen will. Aus den veranschlagten 15 Minuten wird wie beim ersten Halt fast eine Stunde. In der ersten Reihe wird ununterbrochen eiskalte Frischluft in den Bus geblasen. Wir denken sehnsuechtig zurueck an unsere letzte Nachtfahrt, waehrend der die Gaeste vom Steward persoenlich mit Decken zugedeckt wurden... Patagonien zeigt sich uns zuerst nicht so, wie man es sich vorstellt. Die ganze Fahrt fuehrt durch eintoenige Steppenlandschaft und auch die Umgebung von El Calafate sowie die Stadt selbst haben nichts Schoenes zu bieten. Erst der Ausflug zum Perito Moreno Gletscher ist wieder etwas Besonderes. Der Gletscher ist so riesig, dass man die Groesse gar nicht erfassen kann. Seine Spalten leuchten in einem tollen Blau und aus dem Inneren dringt ein staendiges Aechzen und Krachen. Auf den Aussichtsplattformen draengen sich die Menschenmengen und immer wieder faellt irgendwo ein Eisbrocken mit lautem Donnern ins Wasser. Mit einem Boot kommen wir noch naeher an das Schauspiel. Am naechsten Tag fahren wir weiter nach El Chaltén, wo wir ein paar Tage wandern wollen. Wegen des guten Wetters machen wir uns gleich nach der Ankunft auf den Weg zum Fitz Roy, der sich die letzten Tage hinter Wolken versteckt hat. El Chaltén ist sehr schoen gelegen und die Umgebung entpuppt sich im Nachhinein als unser Highlight Patagoniens. Das Ozonloch macht sich hier noch deutlicher bemerkbar als die letzten Wochen - unter LSF 30 sollte man sich besser nicht aus dem Haus wagen. Die Wanderung zur Laguna Torre wird zum Wettrennen weil unsere Zimmergenossin abends ihren Bus bekommen muss. Fuer die letzten beiden Naechte in El Chaltén goennen wir uns ein schoenes (teures) Hotelzimmer mit Pool. Etwas ueberrascht stellen wir auch hier fest, dass es an so einfachen Dingen wie z.B. Haken an der Wand oder Regalen mangelt. Absaufen im Torres del Paine Nationalpark: Fuer die Grenzueberquerung nach Chile geht schon wieder ein kompletter Tag drauf und wir erreichen Puerto Natales erst spaet am Abend. Dort haben wir uns ein "Mini Double" reserviert, das zum Glueck nur fuer eine Nacht frei war. Neben einem durchhaengenden Bett finden gerade noch unsere Rucksaecke Platz im Zimmer. Spaeter bereiten wir unsere 4-Tages Wanderung durch den Torres del Paine Nationalpark vor. Weil wir unsere Rucksaecke schon vor Wochen um einige Kilo erleichtert haben, muessen wir uns die komplette Campingausruestung leihen. Am naechsten Tag ist es dann endlich soweit. Aufbruch zum Torres del Paine, von dem uns schon so viele Leute vorgeschwaermt haben. Der Wecker klingelt nicht, weil der falsche Tag eingestellt ist. Um 7:29 Uhr wacht Simone auf und schaut auf die Uhr - Sch...! Um 7:30 sollte der Bus vor der Tuer stehen und mit Schrecken stellen wir fest, dass er tatsaechlich schon hier ist. Fuenf Minuten spaeter sitzen wir verpennt auf unseren Plaetzen - toller Start. Waehrend der zweistuendigen Fahrt faellt uns auf, dass ganz schoen viele Busse zum Nationalpark unterwegs sind. Eine solche "Massenabfertigung" hatten wir zuletzt in San Pedro de Atacama erlebt. Nach der Ueberfahrt im vollgestopften Katamaran erreichen wir bei stroemendem Regen den Ausgangspunkt unserer Wanderung, ein Refugio (wobei der Begriff "Refugio" unserer Meinung nach etwas untertrieben ist). Wir lassen unser Gepaeck zurueck und machen uns nach anfaenglichem Zoegern auf den Weg zum Grey Glacier. Wegen dem immer staerker werdenden Regen, starkem Gegenwind und den schlechten Sichtverhaeltnissen kehren wir kurz darauf aber wieder um. Spaeter werden wir erfahren, dass der Gletscher an diesem Tag sowieso nicht zu sehen ist. Wir sitzen im Refugio und warten. Am Ende entscheiden wir uns zumindest dafuer, die paar Kilometer zum geplanten Campingplatz zu laufen. Der beruechtigte patagonische Wind blaest uns mitsamt Gepaeck fast vom Weg. Die Schlammpfuetzen werden immer tiefer und wir sind schon laengst durchnaesst bis auf die Knochen. Bei der Ankunft beruhigt sich das Wetter kurz und wir koennen unser Zelt fast trocken aufstellen, was aber auch egal ist weil ueber Nacht das Wasser durch den Zeltboden kommt. Auch die Rettungsversuche mit Plastiksaecken helfen nur kurzzeitig. Am naechsten Morgen haben wir die Schnauze voll und laufen zurueck. Kurz bevor wir wieder am Refugio ankommen fallen auch noch kleine Hagelkoerner vom Himmel, die in Verbindung mit hoher Windgeschwindigkeit etwas unangenehm im Gesicht einschlagen. Zu allem Uebel faehrt uns der Katamaran noch vor der Nase weg. Wir stehen da, schauen bloed aus der klatschnassen Waesche und sind ueberzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Nachdem unsere Sachen alle wieder trocken und frisch gewaschen sind, verlassen wir Puerto Natales leider ohne die beruehmten Torres gesehen zu haben. Von Punta Arenas aus koennen wir noch einen Blick ueber die Magellanstrasse nach Feuerland werfen, bevor ein Flieger uns ueber Santiago zur Osterinsel bringt. Wir sind froh dem kalten Wind zu entkommen und gleichzeitig traurig, weil zwei Monate Suedamerika auch schon wieder vorbei sind. Der Zug ist abgefahren... |
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| Aktualisiert ( Sonntag, 29. März 2009 um 07:25 ) |
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